Mehrweg ist angesagt
Trendgetränke und ihre Ökobilanz
Apfelsaftschorle? Mineralwasser? Eistee? Das sind nur drei von zahlreichen Durstlöschern für zwischendurch. Sie alle werden verpackt, später gekauft und getrunken und irgendwann wird die Verpackung weggeworfen. Welche Verpackung umweltfreundlich ist, worauf du beim Kauf und bei der Entsorgung achten solltest, erfährst du im Folgenden.
Mineralwasser, Saftschorlen, Wasser mit aromatisierenden Zusätzen, Eistee, Wellnessgetränke, Energy- und Sportlergetränke, Frucht-Milch- oder Fruchtsojagetränke, Bier-Mischgetränke, Alkopops – der Markt der Trendgetränke ohne und mit Alkohol ist sehr vielfältig. Genauso vielfältig wie ihr Inhalt ist die Art der Verpackung. Es gibt Mehrweg- und Einwegverpackungen, und darunter Glas- und Plastikflaschen, Getränkekartons und Dosen. Welche Verpackungsart schneidet ökologisch besser ab? Und wie entsorgt man die Verpackung richtig?
Was ist eine Ökobilanz?
Wie werden Ökobilanzen überhaupt erstellt? Um die Umweltfreundlichkeit eines Produkts zu beurteilen, muss das Produkt von der „Wiege bis zur Bahre angeschaut“ werden, betont Maike Janßen, Konsumgüter-Expertin beim Umweltbundesamt in Dessau. Von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung werden die Umweltauswirkungen gesammelt, der Energieverbrauch bei der Herstellung angeschaut, der Rohstoffverbrauch bilanziert, die Umweltbelastung durch Transporte erfasst. Auch die Umwelteffekte bei der Herstellung von Vorprodukten und bei der Verwertung bzw. Entsorgung von Reststoffen fließen in das Umweltprotokoll ein. Das Ergebnis bei Getränkeverpackungen:
Fakt 1: Mehrwegverpackung geht vor Einwegverpackung (in der Regel)
Stellt man ein Ranking unter Umwelt-Gesichtspunkten auf, hat die Mehrwegverpackung vor der Einwegverpackung die Nase vorn. Ausnahme ist der Getränkekarton, er schneidet ökologisch betrachtet ebenso günstig ab. Wieso, magst du denken, auch Einwegverpackungen werden doch recycelt? Ja, aber ihre Herstellung oder ihr Recycling sind zum Teil sehr energieaufwändig oder die Verpackung kann nur unzureichend wiederverwertet werden.
Fakt 2: Nur Verpackungen, die in der gelben Tonne (Grüner Punkt) oder im Handel entsorgt werden, können recycelt werden.
Voraussetzung für ein Recycling ist, dass die Verpackung in der gelben Tonne
oder gelben Tüte für den Grünen Punkt landet. Nur Verpackungen, die du auf diese Weise entsorgst oder im Supermarkt bzw. Discounter abgibst, werden nach dem Verpackungsrohstoff sortiert. Wirfst du deinen Getränkemüll in einen öffentlichen Müllkorb oder lässt ihn nach einer Party im Park liegen, ist das Recycling unmöglich. Der Müll wird eingesammelt und ohne jede Sortierung verbrannt oder deponiert.
Fakt 3: Die Dose ist ökologisch betrachtet ein No-go.
Von allen Verpackungsarten schneidet die Getränkedose am schlechtesten ab. Die Dose besteht aus Weißblech, der Deckel aus Aluminium. Sowohl ihre Herstellung als auch das Recycling sind sehr energieaufwändig.
Fakt 4: Auch die Einweg-Glasflasche ist umweltbelastend.
Die Einweg-Glasflasche besteht aus Quarzsand als Grundrohstoff, dieser ist – anders als z. B. Erdöl für die Kunststoffherstellung – in großen Mengen verfügbar. Dennoch ist die Herstellung energieaufwändig. Zudem sind Glasflaschen im Vergleich zu Plastik schwer. Es entsteht pro Getränkemenge ein höherer Transportaufwand.
Fakt 5: PET-Einwegflaschen sind ökologisch kaum günstiger, vereinzelt sind sie nicht geschmacksneutral.
PET steht für Polyethylenterephtalat und ist ein häufig eingesetzter Kunststoff bei Getränkeflaschen. PET-Einwegflaschen sind kaum umweltfreundlicher als die Glas-Einwegflasche. Lediglich ihr Transportgewicht ist geringer, der Lkw benötigt daher weniger Sprit.
Bei der Herstellung und Lagerung von PET-Flaschen entsteht der Stoff Acetaldehyd. Wenn dieser Stoff in das Getränk übergeht, kommt es zu einer Geschmacksbeeinträchtigung. Das Getränk nimmt einen leicht süßlichen Geschmack an. Das fällt in Cola und Apfelsaftschorle nicht auf, wohl aber bei Mineralwasser. Nach geltendem Recht ist ein solcher Übergang von Stoffen unzulässig. Die Hersteller sind also angehalten, den Übertritt von Acetaldehyd zu verhindern. Die gefundenen Mengen liegen „meistens deutlich unterhalb“ des EU-Grenzwertes von 6 mg pro kg Lebensmittel, befindet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme (www.bfr.bund.de, Ausgewählte Fragen und Antworten zu PET-Flaschen, FAQ des BfR vom 10.9.07), deshalb schließt das BfR eine Gesundheitsgefährdung aus.
Appell 1: Mach beim Recycling mit, wenn du Einwegverpackungen gekauft hast
Damit es für dich als Konsumenten attraktiv ist, Dosen, Glas- oder PET- und andere Kunststoff-Einwegflaschen in den Handel zurückzugeben, sind sie mit einem Pfand belegt. Die Pfandhöhe beträgt bei Einwegverpackungen EUR 0,25 (steht in der Regel auf der Verpackung). Das Siegel der Deutschen Pfandsystem GmbH (DPG) ist ein weiteres Zeichen für Einweg:

© DPG Deutsche Pfandsystem GmbH
Durch die Rückgabe (oder das Einwerfen in eine gelbe Tonne) gelangen Einweg-Getränkeverpackungen in den Wertstoffkreislauf zurück und können recycelt werden. PET-Flaschen z. B. werden zu Fleecejacken oder erneut zu PET-Flaschen verarbeitet.
Hier bist du gefragt: Wirf Einwegverpackungen in die gelbe Tonne oder fülle sie in eine dafür vorgesehene Tüte oder gib sie im Laden ab! Für die Party draußen heißt das: Stell dich von Vorneherein darauf ein, deinen Verpackungsmüll wieder mit nach Hause zu nehmen – der Umwelt zuliebe.
Fakt 6: Getoppt wird die Einwegflasche von der PET- oder Glas-Mehrwegflasche
Viel umweltfreundlicher als eine Einwegflasche ist eine PET- oder Glas-Mehrwegflasche. Mehrweg bedeutet, dass die Flasche nicht eingeschmolzen und anderweitig verarbeitet wird, sondern gereinigt und wieder mit Getränk befüllt wird. Mehrweg erkennst du an der Aufschrift „Mehrweg“ oder – dass es nicht immer gekennzeichnet ist – an der Pfandhöhe. Sie beträgt in der Regel EUR 0,15 oder EUR 0,08 (z. B. bei den
kleineren Bierflaschen), also weniger als bei den Einwegflaschen. Die PET-Flasche ist leichter. Die Glas-Mehrwegflasche schafft mehr Umläufe beim Wiederbefüllen. Sie ist auch hygienischer, das heißt absolut geschmacksneutral. Eine Entscheidung, welche Verpackung umweltfreundlicher ist, ist bei Glas- oder PET-Mehrweg schwer zu treffen.
Appell 2: Nimm Mehrweg
Mehrweg ist um ein Vielfaches umweltfreundlicher als Einweg. Das Angebot an trendigen Getränken (Wellness-Erfrischungsgetränken, Limonaden, Bier-Mischgetränken) in Mehrwegverpackungen ist riesig. Allerdings machen einige Handelsketten um Mehrweg einen Bogen. So viel Mühe kann dir unsere Mutter Erde wert sein – kauf bevorzugt dort ein, wo es Mehrweg gibt. Oder wähle es wenigstens immer dann, wenn Mehrweg als Alternative zu Einweg im selben Supermarkt angeboten wird.
Appell 3: Kauf regional – auch bei Getränken
Ein schwerwiegender Faktor in der Ökobilanz ist der Transportweg. Damit der nicht so groß ausfällt, macht es bei Getränken – wie bei Lebensmitteln überhaupt – Sinn, Marken aus der Region zu bevorzugen. Schau dir einmal an, wo dein Lieblingsgetränk hergestellt wird. Trinkst du etwa Wasser, was aus einem anderen Land für dich angekarrt wird? Das muss ja wohl nicht sein! In jeder Region gibt es Marken, die sich mit ihrem Getränkeangebot deinem Geschmack anpassen. Regionale Anbieter von Mineralwässern z. B. bieten Wellness- und Sportgetränke, aromatisiertes Wasser und Schorlen an.
Appell 4: Wähle bei ähnlichen Angeboten die größere Packungseinheit
Wenn du die Wahl hast zwischen einer kleinen und einer großen Verpackung desselben Getränks, wähle die größere. Eine Apfelsaftschorle gibt es in 0,5-Liter-Packungen oder auch in 1,5 Liter-Packungen. Pro Getränkemenge sparst du mit der größeren Packung Verpackungsmaterial und Transportaufwand. Der Getränkekarton z. B. ist ökologisch günstig. Bei einer kleinen Abpackung schlägt der aufwändige Plastikverschluss stärker zu Buche. Schon verschlechtert sich die Ökobilanz…
Appell 5: Trink mal wieder ohne Verpackung
Am umweltfreundlichsten ist übrigens – Leitungswasser! Trink mal wieder „aus der Wand“, wie Carsten Fritsch vom Informationsservice des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) es plakativ ausdrückt. Das Leitungswasser ist in Deutschland von hervorragender Qualität. Es kommt ohne Verpackung aus, ist absolut preiswert und dennoch sofort trinkbar. Oder press dir einen frischen Orangensaft oder shake dir selbst ein Mixgetränk. Lass dir nicht nur vom Lebensmittelhandel oder der Werbung diktieren, was schmeckt.
Ist Umweltschutz gleich Klimaschutz?
Ist Umweltschutz gleich Klimaschutz?“, hat Talking Food Maike Janßen vom Umweltbundesamt gefragt. „Ja, die CO2-Bilanz (also der Ausstoß an klimarelevanten Gasen, Anm. der Autorin) ist ein Kriterium bei der Ökobilanz“, sagt die Umweltingenieurin. Mehrweg zu bevorzugen, regionale Marken zu bevorzugen, schütze auch das Klima.
Mehr Infos zum Thema
- Das Umweltbundesamt (UBA) hat sich intensiv mit der Ökobilanz von Getränkeverpackungen befasst. Suche zum Beispiel unter den Stichworten „Getränke“ und „Ökobilanz“. Du findest dort zum Download eine ausführliche Studie zur Ökobilanz von Getränkeverpackungen (PDF-Dokument). Außerdem bieten die UBA-Seiten zahlreiche Verbraucherinformationen und Medien zum Umweltschutz bzw. nachhaltigen Konsum (siehe z. B. unter „Publikationen“ und „Ratgeber“ oder „Kinder und Jugendliche“).
- Mehr über das Einweg-Pfandsiegel erfährst du unter www.dpg-pfandsystem.de.
- Über das Flaschenmaterial PET liest du viel Wissenswertes auf den Online-Seiten des Bundesinstituts für Risikobewertung (www.bfr.bund.de). Suche unter dem Buchstaben „P“ im Stichwort-Alphabet.
- Die Stiftung Initiative Mehrweg informiert über die Vorteile von Mehrweg-Systemen: www.stiftung-mehrweg.de.
- Auf den Seiten der Deutschen Umwelthilfe (www.duh.de) findest du unter „Projekte“ den Schwerpunkt „Abfall, Mehrweg & Recycling“.
Der aid infodienst bietet in seinem Shop hierzu folgende Medien an:
Verpackungen für Lebensmittel
(Heft)
Bilder: aid infodienst, www.pixelio.de, DPG Deutsche Pfandsystem GmbH
Autor:
Stephanie Wetzel, Berlin; fachliche Beratung: Rüdiger Lobitz, aid infodienst; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Stand Juni 2008)








