Testurteil gut, alles gut?
Was Warentests aussagen und was nicht
„Öko-Test sehr gut“, „Stiftung Warentest gut“ – viele Hersteller werben damit, dass ihrem Produkt ein gutes oder sogar sehr gutes Urteil in einem Warentest verliehen wurde. Was sagen diese Testurteile tatsächlich aus? Bedeutet „sehr gut“ „sehr gesund“? Ist „mangelhaft“ gleichbedeutend mit „gesundheitsschädlich“?
Testsiegel häufig auf Produkten
Ein Testurteil „gut“ oder sogar „sehr gut“ und das Logo der Testorganisation prangen inzwischen häufig auf Lebensmittelverpackungen. „Stiftung Warentest“ und „Öko-Test“ sind die beiden Logos, die das Testurteil in der Regel einrahmen. Welchen Wert hat ein solches für gut befundenes Produkt? Ernährt es dich besser oder ist es gesünder als andere?
Schaut man in das Test-Jahrbuch 2007 „Essen, Trinken & Genießen“ der Zeitschrift „Öko-Test“, findet man sehr verschiedene Produktkategorien im Test: Mineralwasser und Trinkjoghurts, Fischstäbchen und Backzutaten, Schlankheitsmittel und Nuss-Nougat-Cremes. Was das jeweilige Ergebnis für dich bedeutet, kannst du herausfinden, wenn du dir die Testkriterien genau anschaust.
Die Testkriterien sind entscheidend
Beim Test „Chips“ führten zu einer schlechteren Bewertung (hier „Abwertung“ genannt):
ein erhöhter Acrylamid-Gehalt (das ist ein Stoff, der im Verdacht steht, erbgutverändernd und krebserregend zu sein; die Gefährlichkeit des Stoffes für den Menschen ist noch nicht endgültig festgestellt worden),- der Anteil an gentechnisch veränderten Bestandteilen (ob gentechnisch veränderte und legal zugelassene Lebensmittelzutaten schädlich für den Menschen sind, ist umstritten),
- der Zusatz von Geschmacksverstärkern (sie lösen vereinzelt Unverträglichkeitsreaktionen beim Menschen aus),
- der Gehalt bestimmter Kunststoffe in der Verpackung.
Weitere Bestandteile des Produkts (z. B. Gehalt an ungünstigen Fettsäuren) wurden untersucht, führten aber zu keiner Abwertung, weil sich bei keiner der Proben ein negatives Ergebnis herausstellte, sagt Hella Hansen, Redakteurin bei der Zeitschrift „Öko-Test“ und verantwortlich für diesen Testbericht.
„Gesunde“ Produkte müssen auch gesund sein
Bei Produkten, die als „gesund“ vermarktet werden, werden gesundheitsbezogene Inhaltsstoffe wie Vitamine oder die Qualität des enthaltenen Fetts grundsätzlich bewertet, erläutert Hansen. Bei Lebensmitteln wie Chips, die nicht als „gesunde“ Lebensmittel vermarktet oder als solche vom Verbraucher wahrgenommen werden, fallen diese wertgebenden Inhaltsstoffe weniger ins Gewicht.
„Sehr gut“ heißt nicht automatisch „sehr gesund“
Die Berücksichtigung sehr guter Testergebnisse führt jedoch nicht automatisch zu einer gesunden Ernährung! Im Test „Nuss-Nougat-Cremes“ von Öko-Test
bekamen fast alle Vertreter ein „sehr gut“. Nur mit einem Augenzwinkern lässt sich behaupten, Nuss-Nougat-Cremes müssten deshalb zum Grundnahrungsmittel in einer ausgewogenen Ernährung geadelt werden… Hier bist du mit einer ausgewogenen Ernährung nach der aid-Ernährungspyramide (reichlich kalorienfrei trinken, viel Gemüse und Obst essen usw.) immer noch am besten bedient.
Sind die Test-Kriterien für dich wichtig?
Was heißt das für dich, für die Einschätzung eines Labels „sehr gut“ oder „gut“? Ohne die Testkriterien zu kennen, kannst du nicht einordnen, was ein Ergebnis wie „gut“ oder auch „mangelhaft“ für dich bedeutet. Wie gesundheitlich schwerwiegend ist ein negatives Test-Urteil? Sind die Kriterien, die die Tester angewendet haben, welche, die dich interessieren? Das alles ist nicht immer leicht nachzuvollziehen!
Ein Margarine-Test z. B. in derselben Zeitschrift bewertet den Gehalt an für die Gesundheit als ungünstig eingeschätzten Fettsäuren (Transfettsäuren, gesättigte Fettsäuren) besonders negativ. Das heißt, eine Margarine, die in dieser Hinsicht schlecht abschneidet, wird um eine oder zwei Stufen abgewertet. Aus „sehr gut“ wird dann „befriedigend“. Ob eine „gute“ Margarine dir persönlich auch gut schmeckt, kannst du von einem guten Testergebnis nicht ableiten, denn das Geschmacksempfinden ist sehr unterschiedlich. Aber sicherlich findet sich eine „gute“ Margarine, die nicht nur den Testern geschmeckt hat, sondern auch dir ganz persönlich.
Jede Testung verläuft anders
Ein Traubensaft-Test der Stiftung Warentest bewertete den Geschmack am stärksten. Außerdem wurde untersucht, in wie weit die Säfte mit fremden Aromen oder widerrechtlich mit Fremdwasser versetzt wurden. (Ein Fremdwassergehalt ist normal bei Säften, die aus Traubensaftkonzentrat hergestellt (rückverdünnt) werden, nicht aber bei Direktsäften aus der Frucht.) Auch der Gehalt an unterschiedlichen Schadstoffen wurde geprüft.
Du musst dir also tatsächlich immer die Testkriterien anschauen, denn von Produkt zu Produkt werden andere Kritierien als besonders wichtig erachtet.
Jede Test-Organisation arbeitet anders
Jede Test-Organisation hat ihre eigene „Handschrift“. Wünschst du dir ein eher konservatives Testspektrum mit Geschmack, wertgebenden Inhaltsstoffen, Schadstoffen und einer Prüfung der lebensmittelrechtlichen Sattelfestigkeit (Ist das drin, was drin sein darf und was drauf steht?), ist die Stiftung Warentest (Zeitschrift „test“) der Klassiker unter den Test-Instituten. „Öko-Test“ testet diese Eigenschaften allerdings ebenfalls. Sie beurteilt Schadstoffgehalte in Lebensmitteln oft kritischer, findet Öko-Test-Redakteurin Hansen.
Jede Test-Organisation hat ihre individuellen Standards. Bei der Stiftung Warentest bewerten sowohl Experten als auch Verbraucher den Geschmack von Lebensmitteln, bei Ökotest kommen nur Experten zu Wort, berichtet Heike van Laak, Pressesprecherin bei der Stiftung Warentest. Die Tester setzen auch verschiedene Analyseverfahren ein. So ist zu erklären, dass ein Lebensmittel in einem Test der Stiftung Warentest eine andere Note erhalten kann als bei Öko-Test.
In der Ausgabe „April 2007“ der Zeitschrift „test“ wurde ein Test verschiedener Spaghetti-Sorten veröffentlicht. Ein einwandfreier Geschmack, eine perfekte Konsistenz, eventuelle Rückstandsgehalte, das Fehlen von Durchfallerregern wie Salmonellen und die richtige Kennzeichnung wurden geprüft. Die Spaghetti bekamen Noten von gut bis mangelhaft. Ein ähnlicher Test im Öko-Test-Jahrbuch 2007 „Essen, Trinken & Genießen“ verlieh dagegen allen Spaghetti-Sorten ein „sehr gut“, darunter auch der Sorte, die bei Stiftung Warentest mit „mangelhaft“ bewertet wurde. Die Stiftung Warentest hatte in ihrem Test auch geprüft, ob alle Spaghetti wirklich aus Hartweizen hergestellt waren. Bei dieser Prüfung fiel das Produkt mit einem Weichweizenanteil von 15 Prozent durch. Außerdem fanden die Tester die gekochte Sorte zu klebrig und zu weich in der Konsistenz.
Lebensmittel – von Charge zu Charge verschieden
Positive Testergebnisse können Produkten vermeintlich einen generellen Freibrief für gute Eigenschaften ausstellen. Negative Testergebnisse können andererseits auch voreilig zur generellen Ablehnung eines Lebensmittels verleiten.
Ein Problem von Lebensmittel-Tests ist die Unterschiedlichkeit der Ware von Charge zu Charge, also von Herstellungseinheit zu Herstellungseinheit. Während z. B. eine Packungseinheit Olivenöl höhere Rückstände an bestimmten Pestiziden aufweist, ist die nächste Fuhre desselben Herstellers möglicherweise weniger belastet. Ein Test ist demnach eine Momentaufnahme.
In den Medien heißt es dann: „Olivenöl der Firma XY stark belastet!“ Und diese Meldung wirkt lange nach, selbst wenn der verurteilte Stoff längst in dem Produkt nicht mehr zu finden ist.
Negative Testergebnisse gefährden den Umsatz
Greifen viele Medien das negative Testergebnis auf oder wird der negativ aufgefallene Stoff von der Bevölkerung als sehr „giftig“ empfunden, muss das Unternehmen oft empfindliche Umsatzeinbußen hinnehmen.
Diese Erfahrung musste ein Bio-Unternehmen in Bezug auf sein Produkt „Kreta-Olivenöl“ im Oktober 2005 machen. Die Stiftung Warentest hatte dem Öl das Ergebnis „mangelhaft“ verliehen, weil in der untersuchten charge des Öls unerlaubterweise Weichmacher (vermutlich aus Schläuchen) gefunden worden waren. Medienberichte machten aus dem Fund einen Skandal.
Besonders kommuniziert wurde, dass ein Bio-Olivenöl die rote Karte der Tester bekommen hatte. Der Absatz des Produkts brach im Oktober 2005 vollkommen ein und erholte sich im Verlauf des folgenden Jahres nicht wieder. Die Konsumenten wichen auf andere Marken aus. Gewinner waren z. B. selbst Konkurrenz-Marken, die in demselben Test nur ein „befriedigend“ eingeheimst hatten.
Vom Testergebnis zum Skandal
Für die Firmen wiegen solche Medienberichte schwer. Nehmen die Medien ein Thema auf und machen daraus eine große Geschichte, hat das Folgen für das Verhalten der Verbraucher, bestätigt Gabi Zimmermann, verantwortlich für die Betreuung der Einzelhändler beim Marktforschungs-Unternehmen „biovista“ in Ettlingen. Dabei kann schon die nächste Charge des Produkts frei von dem abgelehnten Schadstoff sein.
Tests halten Hersteller auf Trab
Auch ohne aufsehenerregende Medienberichte reagieren die Hersteller sehr sensibel auf die Testergebnisse, berichtet Öko-Test-Mitarbeiterin Hansen. Sie versuchen, ihre Produkte im Anschluss an ein negatives Ergebnis zu optimieren, um gesundheitlichen Schaden vom Verbraucher, aber auch den Image- und damit wirtschaftlichen Schaden von Produkt und Unternehmen abzuwenden.
Hier erfüllen die Testberichte eine wichtige Funktion. Sie spornen die Hersteller immer wieder auf’s Neue an, ihre Produkte in Bezug auf typische Testkriterien zu optimieren.
Warum gibt es überhaupt negative Ergebnisse?
Es verwundert allerdings, warum viele Hersteller nicht vorbeugend handeln und ihre Produkte häufiger selbst auf mögliche ungünstige Inhaltsstoffe (Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Umweltgifte) testen. Auf diese Weise könnten sie einem Umsatz- und Imageschaden rechtzeitig vorgreifen. Vom Gesetz her ist es ihnen sogar verboten, Lebensmittel so herzustellen oder zu behandeln, dass sie gesundheitsschädlich sind (§ 5 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches).
Dass den Test-Organisationen immer wieder aufsehenerregende Negativ-Funde gelingen, kann man auch so auslegen, dass einige Hersteller hier noch größere Anstrengungen unternehmen könnten.
Gesundheitsgefahr nicht zwangsläufig
Dennoch, eine Gesundheitsgefahr geht von Produkten mit negativem Ergebnis nicht zwangsläufig aus. Dazu muss man sich den Einzelfall anschauen: Wie gefährlich ist der gefundene Stoff? In welchen Konzentrationen in Bezug auf gesetzliche Höchstmengen wurde er gefunden?
Hier kannst du zum einen die Bewertung der Tester lesen, du solltest dir aber weitere Informationen holen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt regelmäßig aktuelle Informationen zu kritischen Stoffen in Nahrungsmitteln heraus: www.bfr.bund.de.
Mehr Infos
Die Rubrik „Schadstoffe“ von www.was-wir-essen.de zeigt, wie gefährlich Schadstoffe sind, was man dagegen tun kann und welchen Schadstoffen wir im Alltag begegnen.
Im Schadstofflexikon auf was-wir-essen.de kannst du die Wirkung und Bedeutung von Schadstoffen in der Lebensmittelkette vom Acker bis zum Teller nachschlagen.
Aid.de in der Rubrik Verbraucherschutz Informationen zu Schadstoffen, Zusatzstoffen, Kennzeichnung, Überwachung und vieles mehr an.
Das Expertenforum von was-wir-essen.de hilft dir weiter, wenn du mal keine ausreichenden Informationen zu den o.g. Themenbereichen findest.
Auch die beiden großen Warentester sind online aktiv: www.warentest.de bietet zahlreiche Testberichte rund ums Essen und Trinken zum Teil gratis. Die Seiten von www.oekotest.de bieten ebenso einen Ernährungsschwerpunkt.
Ein guten Einblick in die Testarbeit bieten die Beiträge von oekotest.de zu:
Zur tiefergehenden Recherche bieten sich auch an:
Weitere Informationen gibt es in folgenden Medien aus dem aid-Shop:
In Lebensmitteln unerwünscht
(Heft)
Die Panter ... in Sachen Lebensmittel unterwegs
(Heft)
Vom Acker bis zum Teller
(Heft)
Amtliche Lebensmittelüberwachung
(Heft)
Achten Sie aufs Etikett!
(Heft)
Lebensmittel aus ökologischem Landbau
(Heft)
(Bilder: aid infodienst, www.photocase.com, DAK, www.oekotest.de, www.warentest.de, Meinhold)
Autor:
Autorin: Stephanie Wetzel, Berlin; fachliche Beratung: Dr. Wiltrud Gross-Steinberg und Gesa Maschkowski beide aid infodienst; Redaktion: Christof Meinhold, Köln (Stand Mai 2007)













