"Euro-Blatt" wird neues EU-Bio-Logo
Die Geschichte eines Wettbewerbs

Bildquelle:
www.ec.europa.eu
(aid) - Ab Juli 2010 wird ein einheitliches Logo alle Bio-Produkte aus der Europäischen Union zieren. Das Rennen in einem EU-weiten Wettbewerb hat das "Euro-Blatt" gemacht. Der Entwurf eines Düsseldorfer Grafik-Studenten setzte sich in einer Internet-Abstimmung gegen 3 421 Mitkonkurrenten durch. Der Wettbewerb, an dem sich ausschließlich Designstudenten aus allen EU-Mitgliedstaaten beteiligen durften, stand allerdings von Beginn an in der Kritik.
Die Idee der einheitlichen Logo-Entwicklung ist nicht neu. Bereits seit 1997 existiert eine ganze Logo-Familie, die sich aber auf den Märkten der EU nie durchsetzen konnte. Ganz anders als zum Beispiel das Bio-Siegel in Deutschland, dessen Bekanntheitsgrad extrem hoch ist seit der Einführung 2001 unter der damaligen Landwirtschaftsministerin Renate Künast. Rund 3 300 Unternehmen nutzen das Bio-Siegel für mehr als 55 000 Produkte. Daher war nach der Verabschiedung der neuen EG-Öko-Verordnung 2008 bei der Erstellung eines EU-weiten Siegels auch an eine Anlehnung an das deutsche Bio-Siegel gedacht worden. Herausgekommen war ein Logo, das aber zu große Ähnlichkeit mit dem handelseigenen Logo von Aldi-Süd hatte und deshalb schnell wieder zurückgenommen wurde.
Der neue Anlauf eines offenen Wettbewerbs war dann der Versuch, das Wahrnehmungsdefizit der EU gegenüber seinen Bürgern zu verbessern. Laut EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel sollte durch eine Online-Abstimmung erreicht werden, dass das neue Logo möglichst viele Menschen anspricht. Die Angesprochenen hatten aber lediglich eine Auswahl von drei Entwürfen aus den eingesandten 3 422 Vorschlägen. Der "Rest" wurde von einer Jury zuvor ausgesiebt. Zur Wahl standen also das nun ausgewählte "Euro-Blatt", das mit deutlichen 63 Prozent an erster Stelle lag, ein von Kritikern bespötteltes "Spock-Ohr" und ein Logo, das an sumerische Keilschrift erinnerte und in der Praxis überhaupt nicht auf Verpackungen zu erkennen gewesen wäre. Eine wirkliche Auswahl hätte anders aussehen müssen. Und was die Identifikation anbelangt, sei hier angemerkt, dass insgesamt etwa 130 000 EU-Bürger an der Abstimmung teilgenommen haben - bei ca. 500 Millionen Menschen in den 27 Mitgliedsstaaten.
Wann genau das neue und verbindliche Bio-Logo auf den Verpackungen ankommt, kann aber noch keiner genau sagen. Erstens müssen zunächst alle Hersteller die Druckdaten und Vorgaben erhalten und außerdem kann das bereits produzierte Verpackungsmaterial noch bis zum 1. Januar 2012 aufgebraucht werden. Wie sich die Bekanntheit des EU-Zeichens entwickeln wird, ist derzeit noch nicht abzusehen, da bisher keine Haushaltsmittel für staatliche PR-Maßnahmen bereit stehen. Das deutsche Bio-Siegel wird im Übrigen weiterverwendet. Der Supermarktkunde kann sich also unter Umständen bald auf eine bunte Vielfalt auf den Verpackungen freuen: "Euro-Blatt" + Bio-Siegel + eins von acht Verbandssiegeln wie Bioland, Demeter oder Naturland.
aid, Harald Seitz
Quelle:
aid infodienst e.V., aid-PresseInfo Nr.: 6/10 vom 10.02.2010
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