Kinder XXL – erhalten sie genügend Hilfe?
Größte Datenbasis in Deutschland nimmt adipöse Kinder in den Fokus

Bildquelle:
(c) DAK / Wigger
Im Rahmen des Kompetenznetzes Adipositas ist es dem Verbundprojekt LARGE (Longitudinal Childhood Obesity Research in Germany) gelungen, das größte Register von adipösen Kindern und Jugendlichen in Deutschland aufzubauen. Nahezu 180 Zentren dokumentieren mittels einer speziellen medizinischen Software Daten von über 71.000 stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen in der gesamten Bundesrepublik sowie der Schweiz und Österreich. Fast 240.000 Besuche sind bereits registriert, 55 in der Datenbank erfasste Jugendliche sind chirurgisch behandelt. Prof. Reinhard Holl und weitere Forscher im Verbund LARGE versprechen sich mit diesen Daten mehr Aufschluss über den Verlauf von schwerem Übergewicht, Qualitätsindikatoren für die Behandlung und messbaren Begleiterscheinungen. Der Verbund LARGE wird von Prof. Wieland Kiess aus Leipzig koordiniert, weitere Projektpartner arbeiten in Ulm, München, Essen, Berlin und Datteln.
„Ein Fazit der Untersuchungen ist, dass schwer adipöse Kinder derzeit nicht ausreichend in ausgewiesene Behandlungseinrichtungen eingebunden sind“, sagt Prof. Holl. „Die Gründe sind vielschichtig; viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien entziehen sich selbst einer möglichen Therapie, die sogenannte Dropout-Rate ist hier sehr hoch.“ Über 27 Prozent der adipösen Kinder in der Datenbank haben einen Migrationshintergrund. Darüber hinaus gäbe es Probleme bei der Finanzierung bzw. möglichen Erstattung von Behandlungsangeboten. In Zusammenhang mit der Reduzierung des Körpergewichts steht eine grundlegende Verhaltensänderung. Zu dieser gehört weniger Medienkonsum, mehr Bewegung und gesündere Ernährung. „Gerade in ländlichen Gebieten gibt es sehr begrenzte Möglichkeiten einer ambulanten Therapie vor Ort“, so Holl. „Wichtig bleibt jedoch, die gesamte Familie mit in den Prozess der Gewichtsreduktion einzubeziehen.“ Familien außerhalb der Ballungszentren bleibt häufig nur eine Reha-Behandlung in einem anderen Ort.
Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Newsletter Juni 2011 vom 23.06.2011
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