Neue Ansätze bei Gesundheitsbildung von Jugendlichen
Projekt "ScienceKids" schult unter anderem Ernährungsverhalten und gesunde Lebensweise
In Deutschland ist fast jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren übergewichtig und damit massiv von gesundheitlichen Folgeschäden bedroht – Tendenz steigend. Um diese dramatische Entwicklung aufzuhalten, haben die AOK Baden-Württemberg, das Kultusministerium und das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik ihr bisher auf Grundschulen ausgerichtetes Projekt "ScienceKids: Kinder entdecken Gesundheit" nun für die Schüler der Sekundarstufe I (11 – 16 Jahre) weiterentwickelt. Damit soll den Jugendlichen bereits in der Schule eine gesunde Lebensweise vermittelt werden. Erste Studien der Pilotphase zeigen: Das Projekt zeigt Wirkung. Die neuen Unterrichtsmaterialien werden im Rahmen der "ScienceKids Lehr- und Lernwerkstatt" am 27.09. erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
"Dieser Schritt war aus unserer Sicht nötig, weil es bis heute keine vergleichbaren Projekte zur Gesundheitsbildung für Jugendliche dieser Altersgruppe gibt – trotz der dramatischen Zahlen", sagt Jutta Ommer-Hohl, Projektleiterin "ScienceKids" der AOK Baden-Württemberg. "Seit 2007 haben wir ‚ScienceKids’ bereits an über 350 Grundschulen etabliert. Mit der Erweiterung für die Sekundarstufe begleiten wir die Jugendlichen konsequent weiter. Denn in dieser Lebensphase werden die Verhaltensweisen für das spätere Leben gefestigt."
Die Partner betreten mit der Weiterentwicklung der Unterrichtsmaterialien Neuland, denn "Jugendliche für gesundheitliche Themen zu interessieren und zu motivieren, ist eine große Herausforderung", sagt Prof. Toni Faltermaier von der Universität Flensburg und wissenschaftlicher Berater von 'ScienceKids'. Bei der Entwicklung der Unterrichtsmaterialien wurden deshalb neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde gelegt. "Jugendliche haben mit Gesundheit nichts am Hut. Sie leben im hier und jetzt. Zukunft – das ist viel zu weit weg. Daher müssen wir sie dort abholen, wo sie stehen", sagt Faltermeier.
Deshalb rücken Themen wie die Veränderung des Körpers, Schönheit und Attraktivität, Clique und Freunde, Gefühle und eigene Werte in den Fokus. "Die Jugendlichen werden nicht direkt mit dem für sie unattraktiven Thema "Gesundheit" konfrontiert. Vielmehr sollen sie durch außergewöhnliche Wege ein Gefühl für ihre Persönlichkeit und ihren Körper und somit auch für einen gesunden Lebensstil entwickeln", sagt Karl Weinmann, Ministerialrat des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. "Die Projekte sollen bewusst das Interesse der Jugendlichen wecken. Beispielsweise verwandelt sich das Klassenzimmer in ein 'Dunkel-Café' und es werden verschiedene Lebensmittel probiert und wahrgenommen – ohne sie zu sehen. Oder zu Gesundheitsthemen werden Comics oder Videospots produziert. Die Jugendlichen können so ihrer Kreativität freien Lauf lassen." Sämtliche Inhalte der Lehr- und Lernmaterialien sind dabei laut Weinmann auf den Bildungsplan aller weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg abgestimmt und lassen sich fächerübergreifend im Unterricht wie auch im Rahmen von Projekttagen und Arbeitsgemeinschaften einsetzen.
Dass die Methoden wirken, zeigt eine mehrwöchige Praxisphase im Frühjahr 2011, bei der die fünf Module von 'ScienceKids' an insgesamt 20 weiterführenden Schulen mit mehr als 500 Schülern erprobt wurden. Demnach werden Bewegungs- und Ernährungsverhalten der Jugendlichen nachweislich verbessert. Nach der Praxisphase gaben rund 18 Prozent an, dass sie mit der Familie mehr Sport treiben – zuvor waren es nur rund 11 Prozent. Auch bei den Jugendlichen, die sich in der Praxisphase intensiv mit Ernährung beschäftigt haben, stieg die Zahl derer, die sich danach gesünder ernährten, von rund 32 auf 50 Prozent.
Quelle:
AOK Baden-Württemberg, Pressemitteilung vom 27.09.2011
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